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Dienstag, 7. Juni 2011

Das Halfter hängt still

Er war kein Mann der großen, vor allem, der vielen Worte – zumindest nicht als legendärer US Marshal Matt Dillon in „Rauchende Colts“. Das Reden übernahmen eher Miss Kitty, die Saloonbesitzerin oder Festus, der Hilfssheriff. In über 600 TV-Folgen sorgte Dillon, alias James Arness mit überlegener stoischer Ruhe und einer extrem schnellen Hand für Recht und Ordnung in Dodge City. Und wenn er in dieser wilden Zeit einmal doch ins Wanken geriet, so brachte ihn sein Lebenswille, seine Vitalität und Zähigkeit, manchmal auch die Hilfe seiner Freunde wieder ins Spiel zurück. Obwohl einige der bekanntesten und größten Revolverhelden der Westerngeschichte wie Morgan, Virgil und Wyatt Earp samt Doc Holiday dort als Gesetzeshüter mit Blei und Schrot oft (mit) Faust Recht sprachen, so stach doch Dillons Eleganz und pflichtbewußte Souveränität deutlich hervor. Auch weil er seine Gegner oft um eineinhalb Haupteslängen überragte.

Things that come, had to be done

Mit seinen 1,98m wirkte er nicht nur imposant, sondern so ehrfurchtsgebietend, dass ein Haufen verwegener Outlaws einen großen Bogen um die Stadt im mittleren Südwesten der USA machten. Hätten sie um Dillons geheimste Gedanken gewußt, möglicherweise hätte es viel häufiger Konfrontationen mit dem berühmten Marshal gegeben. Aber Dillons bester Kumpel Arness vertraute es einer größeren Gemeinde erst nach dem Ausscheiden seines Freundes aus dem offiziellen Dienst an: „Zwar sei es vielmals unvermeidbar gewesen, dass schnell gezogen werden musste, aber Matt hat Gewalt verabscheut und nach einer Tötung Abscheu empfunden“. Eine Regung, die bisher irrtümlich als genervt gedeutet wurde.

Oft genügte es daher, dass sein Marshall-Stern nur kurz in der Dunkelheit aufblitzte und schon waren späte Zecher in Kittys Saloon beruhigt. Böse Buben kamen manchmal wieder – jedoch niemals mit ausreichender Verstärkung. Denn Dillon konnte sich auf seine Freunde in Dodge City verlassen. Insbesondere auf Doc, der zwar weit, sehr weit weg von den medizinischen Zentren im Osten der USA lebte, indes allzeit die neuesten wissenschaftlichen Forschungsergebnisse und Behandlungsmethoden zur Hand hatte. Gegebenenfalls brachte er sie nach inständig heftigen Bitten trotzig zur Anwendung. Den Christian Barnard vorwegnehmend führte er, wenn es darauf ankam,mit eiskalt ruhigem Händchen selbst Operationen dicht am Herzen durch. Dafür genügte oft der wissend traurige Blick Kittys und das blecherne Stimmbruch-Gejammer von Festus. Dann flößte Doc seinem Freund eine Flasche Hochprozentigen aus dem nahen Saloon ein und machte sich mit feuergeläutertem Messer an den Eingriff. Meist schon nach einem halben Tag war Dillon wieder fit und sprang von der Liege auf. Putzmunter, vielleicht noch ein wenig von Kittys Fusel verkatert, mit kaum verheilter Wunde, aber scheinbar ungeschwächt schwang sich Dillon mit den hingezischten Worten: „Doc, ich muss reiten“ auf sein Pferd und folgte seiner Marshals-Pflicht.

Am Freitag, dem 3. Juni 2011, hat er sich mit hellbraunem Hut und Jacke, dem roten Hemd mit silberglänzendem Marshal-Stern auf seine letzte Mission begeben. Er reitet auf seinem braunen Pferd nach Westen, dem Sonnenuntergang entgegen, immer weiter und weiter.

Montag, 25. April 2011

Die neuen Leiden des jungen W.

 

Es gibt kein Deuteln: In der ausgehenden Pubertät staut sich vieles auf und sucht nach einem Ventil. Es fällt daher den Halbwüchsigen oft nicht leicht, die sich ansammelnde Energie in sozial verträgliche Bahnen zu lenken. Jede Gesellschaft benötigt aber auch das Momentum der Jugend, um sich durch den Input ungestümer, juveniler Kraft, neuer Verhaltensweisen und innovativer Ideen stets jene Energien zuzuführen, die ihren Bestand in ihrer Form und Art erst möglich macht. Deshalb haben es sich alle Gesellschaften zur Regel gemacht, diese Kräfte zu kanalisieren und somit auf wünschenswerte Ziele zu richten.

Wie bei Gesangsvereinen. Aber leider leiden sie seit Jahrzehnten unter Mitgliederschwund und Nachwuchsproblemen. Eigentlich unverständlich, denn natürlich hat der Wohlklang einer virilen Stimme durchaus auch Wirkung nicht nur auf die gleichartigen Kumpels, sondern im Besonderen auf das so genannte schwache Geschlecht.

Es verbindet sogar gewisse charakterliche Eigenschaften mit jenem männlichen Sound, der sich ihren Ohren einschmeichelnd nähert. So treibt eine hohe tenorale Stimme nicht nur jungen Damen Hormone in die betreffenden Körperteile und schwingt dort konvulsivisch nach. Auch ältere und damit tiefe Lagen beeindrucken die holde Weiblichkeit jeglicher Couleur. So ist es wenig verwunderlich, dass oft von der bezaubernden Kraft der Stimme auf das Aussehen ihres Trägers geschlossen wird. Ein Prozess, der dummerweise dank der modernen Medien ebenso einen gegensätzlichen Verlauf nehmen kann. Was hin und wieder durch einen – manchmal von der Konkurrenz inszenierten – Ausfall des Playbacks offenbar wird.
Offensichtlich ist es irrelevant, ob jene Stimmen mit oder ohne Echtheitszertifikat versehen sind. Darüber hinaus ist es unwichtig: Da eine Verführung schon längst stattgefunden hat. Auch eine Titania kann von des Esels Melodei betört werden.
Wie dem auch sei, schöner Gesang törnt an, so dass das Weibliche gesangssexualisiert lasziv die Heimstätten seiner Stars stürmt.

Wo man singt, da lässt`s sich treiben, fordert Weibchen auf zu bleiben..

… oder einfach auch zu kommen. Jedenfalls bestätigen neueste Forschungen, dass der Wohlklang des männlichen Stimmorgans in der Natur einen nicht geringen Anteil bei der Partnerwahl spielt. Er ist entscheidend bei den Vögeln, er macht das Alphatier bei den Löwen zum Einzigen, er heult sich an die Spitze bei den Wölfen.
Und nun die Wale! Neueste Forschung hat erwiesen, dass der Gesang der Buckelwale nicht nur dazu dient, mit den Verwandten auf lange Distanzen Kontakt zu halten, sondern mit wohlklingend tiefer, sehr tiefer Inbrunst sich eine weibliche Fangemeinde aufzubauen. Bekanntlich trägt Wasser den Schall erheblich besser als Luft – mit fast 1500M/sek ist er im  Ozean beinahe fünfmal so schnell. Das erlaubt eine Kommunikation über mehrere hundert Kilometer und die weiträumige und lockende Schallberieselung im Dienste der Fortpflanzung. Leider konnte nicht in Erfahrung gebracht werden, auf welchen Quellen diese Erkenntnisse australischer Wissenschaftler aus Queensland basieren. Ob diese aus eigenen Messungen gewonnen wurden oder ob die Meeresforscher auf die geheimdienstlichen Tiefsee-Mikrophone zur weltweiten U-Boot-Jagd zurückgriffen.

Forschungsergebnisse Walgesang hier (Scienceticker.info) und hier (ad-hoc-news.de):

und geheimdienstliche Unterseemikrophone und anderes auf Spiegel.de:

Jedenfalls scheint es so zu sein, dass lüsterne, vielleicht auch weniger kreative Jungwale dazu übergegangen sind, erfolgreiche Hits zu covern und als Sampler für die eigenen genitalen Zwecke zu verwenden.

Trotz der sensationellen Erkenntnisse ist noch nicht klar, durch welche musikalischen Qualitäten Wale überzeugt werden, dass ihre Potenz durch einen bestimmten Song mehr Früchte tragen wird. Oder vermuten das die Wale nur? Liegt es etwa daran, dass paarungswillige Männchen immer seltener auf “Ri-walen” treffen? und sie sich daher auf das erfolgversprechende „Hörensingen“ verlassen müssen, weil sie immer seltener auf stark gebaute triebhafte Weibchen stoßen. Überzeugt sie deshalb der Hitcharakter des fernen Gesangs ihrer Rivalen und vermuten sie deshalb nur den damit verbundenen sexuellen Erfolg? Fragen über Fragen, die weiterer dringender Klärung bedürfen.

Jedenfalls finden sich hier populäre Hits frei gecastet: Mit fast schon aphrodisiakischen Erfolgscharakter (Wikipedia).

Klingt`s im Ozean gar zu weit, so brauchen Wale Copyright

Die Forderung nach einer der deutschen GEMA ähnlichen Institution liegt nahe. Denn die Interessenvertreterin der Musikindustrie schützt die Rechte ihrer Klienten und verhindert die Fremdnutzung erprobter und lukrativer Hits. Deshalb wird rund um den Globus nach wirkungsvollen Möglichkeiten gesucht, dem Recht Geltung zu verschaffen und der illegalen Nutzung quasi den Blas (Wikipedia) abzudrehen. Aus gut unterrichteten Quellen wird jedoch bestätigt, dass das freundliche DRM-Angebot (digital rights management) japanischer Walfänger nicht angenommen wird – obwohl deren echt wissenschaftliche Methode eine fast 100prozentige Garantie für die Durchsetzung nicht nur rechtlicher Titel liefere – und so mit ihrer eigenen Präzision bald mittel- bis kurzfristig für echte SOLO-Auftritte sorgen würde.