Montag, 25. April 2011

Die neuen Leiden des jungen W.

 

Es gibt kein Deuteln: In der ausgehenden Pubertät staut sich vieles auf und sucht nach einem Ventil. Es fällt daher den Halbwüchsigen oft nicht leicht, die sich ansammelnde Energie in sozial verträgliche Bahnen zu lenken. Jede Gesellschaft benötigt aber auch das Momentum der Jugend, um sich durch den Input ungestümer, juveniler Kraft, neuer Verhaltensweisen und innovativer Ideen stets jene Energien zuzuführen, die ihren Bestand in ihrer Form und Art erst möglich macht. Deshalb haben es sich alle Gesellschaften zur Regel gemacht, diese Kräfte zu kanalisieren und somit auf wünschenswerte Ziele zu richten.

Wie bei Gesangsvereinen. Aber leider leiden sie seit Jahrzehnten unter Mitgliederschwund und Nachwuchsproblemen. Eigentlich unverständlich, denn natürlich hat der Wohlklang einer virilen Stimme durchaus auch Wirkung nicht nur auf die gleichartigen Kumpels, sondern im Besonderen auf das so genannte schwache Geschlecht.

Es verbindet sogar gewisse charakterliche Eigenschaften mit jenem männlichen Sound, der sich ihren Ohren einschmeichelnd nähert. So treibt eine hohe tenorale Stimme nicht nur jungen Damen Hormone in die betreffenden Körperteile und schwingt dort konvulsivisch nach. Auch ältere und damit tiefe Lagen beeindrucken die holde Weiblichkeit jeglicher Couleur. So ist es wenig verwunderlich, dass oft von der bezaubernden Kraft der Stimme auf das Aussehen ihres Trägers geschlossen wird. Ein Prozess, der dummerweise dank der modernen Medien ebenso einen gegensätzlichen Verlauf nehmen kann. Was hin und wieder durch einen – manchmal von der Konkurrenz inszenierten – Ausfall des Playbacks offenbar wird.
Offensichtlich ist es irrelevant, ob jene Stimmen mit oder ohne Echtheitszertifikat versehen sind. Darüber hinaus ist es unwichtig: Da eine Verführung schon längst stattgefunden hat. Auch eine Titania kann von des Esels Melodei betört werden.
Wie dem auch sei, schöner Gesang törnt an, so dass das Weibliche gesangssexualisiert lasziv die Heimstätten seiner Stars stürmt.

Wo man singt, da lässt`s sich treiben, fordert Weibchen auf zu bleiben..

… oder einfach auch zu kommen. Jedenfalls bestätigen neueste Forschungen, dass der Wohlklang des männlichen Stimmorgans in der Natur einen nicht geringen Anteil bei der Partnerwahl spielt. Er ist entscheidend bei den Vögeln, er macht das Alphatier bei den Löwen zum Einzigen, er heult sich an die Spitze bei den Wölfen.
Und nun die Wale! Neueste Forschung hat erwiesen, dass der Gesang der Buckelwale nicht nur dazu dient, mit den Verwandten auf lange Distanzen Kontakt zu halten, sondern mit wohlklingend tiefer, sehr tiefer Inbrunst sich eine weibliche Fangemeinde aufzubauen. Bekanntlich trägt Wasser den Schall erheblich besser als Luft – mit fast 1500M/sek ist er im  Ozean beinahe fünfmal so schnell. Das erlaubt eine Kommunikation über mehrere hundert Kilometer und die weiträumige und lockende Schallberieselung im Dienste der Fortpflanzung. Leider konnte nicht in Erfahrung gebracht werden, auf welchen Quellen diese Erkenntnisse australischer Wissenschaftler aus Queensland basieren. Ob diese aus eigenen Messungen gewonnen wurden oder ob die Meeresforscher auf die geheimdienstlichen Tiefsee-Mikrophone zur weltweiten U-Boot-Jagd zurückgriffen.

Forschungsergebnisse Walgesang hier (Scienceticker.info) und hier (ad-hoc-news.de):

und geheimdienstliche Unterseemikrophone und anderes auf Spiegel.de:

Jedenfalls scheint es so zu sein, dass lüsterne, vielleicht auch weniger kreative Jungwale dazu übergegangen sind, erfolgreiche Hits zu covern und als Sampler für die eigenen genitalen Zwecke zu verwenden.

Trotz der sensationellen Erkenntnisse ist noch nicht klar, durch welche musikalischen Qualitäten Wale überzeugt werden, dass ihre Potenz durch einen bestimmten Song mehr Früchte tragen wird. Oder vermuten das die Wale nur? Liegt es etwa daran, dass paarungswillige Männchen immer seltener auf “Ri-walen” treffen? und sie sich daher auf das erfolgversprechende „Hörensingen“ verlassen müssen, weil sie immer seltener auf stark gebaute triebhafte Weibchen stoßen. Überzeugt sie deshalb der Hitcharakter des fernen Gesangs ihrer Rivalen und vermuten sie deshalb nur den damit verbundenen sexuellen Erfolg? Fragen über Fragen, die weiterer dringender Klärung bedürfen.

Jedenfalls finden sich hier populäre Hits frei gecastet: Mit fast schon aphrodisiakischen Erfolgscharakter (Wikipedia).

Klingt`s im Ozean gar zu weit, so brauchen Wale Copyright

Die Forderung nach einer der deutschen GEMA ähnlichen Institution liegt nahe. Denn die Interessenvertreterin der Musikindustrie schützt die Rechte ihrer Klienten und verhindert die Fremdnutzung erprobter und lukrativer Hits. Deshalb wird rund um den Globus nach wirkungsvollen Möglichkeiten gesucht, dem Recht Geltung zu verschaffen und der illegalen Nutzung quasi den Blas (Wikipedia) abzudrehen. Aus gut unterrichteten Quellen wird jedoch bestätigt, dass das freundliche DRM-Angebot (digital rights management) japanischer Walfänger nicht angenommen wird – obwohl deren echt wissenschaftliche Methode eine fast 100prozentige Garantie für die Durchsetzung nicht nur rechtlicher Titel liefere – und so mit ihrer eigenen Präzision bald mittel- bis kurzfristig für echte SOLO-Auftritte sorgen würde.

Montag, 4. April 2011

E10 - Staatlicher Alkoholmissbrauch sorgt für Zündaussetzer nicht nur in Motoren

ALLERDINGS ist allerdings ein seltsam Wort. Schaut man im Wörterbuch (Wahrig 7 A.) nach, dann wird das Wort allerdings in dreifach verschiedener Weise verwendet: Bejahend, zögernd zugestehend und einschränkend. Für mich gehört es allerdings zu den beliebten Familienwörtern. Meine Großtante Gertrud aus Südamerika verwendete ALLERDINGS bei ihren Erzählungen als Stilmittel immer dann, wenn sie nach einer längeren künstlerischen Pause, das vorher Gesagte, dramatisch einschränkte. Mir war seine Bedeutung natürlich bewusst, allerdings offenbarte mir erst meine Tante seine geschickte Verwendung in seiner satirischen Dimension. Sie verstand es, dank längerer künstlerischer Pausen, jede ihrer Geschichten so ganz elegant mit einer schalkhaften Würze zu versehen und perfekt zu inszenieren. Selbst heute noch ertappe ich mich beim Lesen des Wortes ALLERDINGS dabei, dass noch etwas lustig krumm Gewendetes kommt, oder etwas Unerwartetes, gar ein Missgeschick passieren könnte. Bei Gertrud war dies konkret mit ihrer eigenen Person verbunden. In diesen wunderbaren Erzählungen bestätigte sich zumeist ihr ganz eigener unbedingter Willen zum Skurrilen.
 

ALLERDINGS ist allerdings ein seltsam Wort.

Gertrud hat mich für die vielschichtige Verwendung empfindlich gemacht. Egal, in welchem Zusammenhang es auftaucht, stets  macht es mich hellhörig und lässt mich sofort in eine gewisse Lauerstellung verfallen. So erging es mir auch, als ich vor einigen Wochen von Audi die Antwort auf meine E10 Anfrage erhielt.
Seit beinahe zwei Jahren fahre ich nun einen AUDI 80 aus dem Jahre 1992. Tadellos in Schuss pflege ich mit dem Youngtimer meinen Hang zur mechanischen Nostalgie. Dieses Schwelgen in samtenem hellbraunen Plüsch, wischfestem Hartplastik, analog langsamen Armaturen und klackenden Kippschaltern wurde Ende des letzten Jahres jählings durch die Ankündigung der Einführung eines vorgeblich öko-anabolen Ergänzungsstoffes gestört. Aus Umweltschutzgründen solle ein neuer Kraftstoff, E10, das bisherige Super ersetzen und den CO2 Zielen Deutsch-lands und der EU neuen Schub verleihen. Durch seinen Anteil von zehn Prozent Alkohol verbessere sich die Öko-Bilanz und nebenher erleichtere seine Einführung die Erreichung der Klimaziele Deutschlands. 
Besorgt, ob der neue Stoff als andauernd hochprozentige Fusel-Dosis von der Einspritzanlage injiziert sich nicht nachteilig auf die geistige und körperliche Verfassung meines Wagens auswirken könne. 
Sofort gährte es in mir.
Ich griff zum Hörer und rief bei der Audi-Hotline an. Dort fragte man mich nach der Fahrzeugident-Nummer, die ich natürlich nicht zur Hand hatte. "Aber das ist ja auch noch nicht so schlimm. Nicht gleich zu Anfang werden alle Tankstellen E10 haben. Bis dahin können sie wie gewohnt Super tanken". Sie wünschte mir freundlich eine Gesegnete Weihnacht und Prosit Neujahr!
Heiter mit einem leichtem Schwips endete für mich das alte Jahr und die Schnaps-Innovation der EU verkatert seitdem Millionen deutscher Autofahrer. Denn den Sprit will keiner haben und seine positive Wirkung für die Umwelt ist zweifelhaft. Auch die deutsche Presse schwankt, ja torkelt nun schon seit Monaten von einem Extrem ins andere: Unsere Motoren sollen zusätzlichen Alkohol saufen, um unsere nationalen und europäischen CO2 Ziele zu erreichen. Deshalb verbrennen unsere Motoren auch weltweit vergorene Ernten, um mit diesem zusätzlichen Futter weiter Vollgas fahren zu können.
Egal, ob vom Doktor verschrieben oder als Surrogat von einer durch das eigene TamTam - oder sonst etwas zugedröhnten Regierung, verordnet, hat E10 wie ein Medikament allerdings ebensolche Nebenwirkungen. Man beachte den Beipackzettel. Zwar könnten alle aktuellen Autos getrost den neuen Selbstgebrannten verwenden, aber älteren PKWs sollten doch zur Sicherheit auf den deutlich teureren Edelsprit aus raffinierten Destillen ausweichen. Denn alles andere als das echte alte Super könnte ihnen nicht nur den Motorraum, sondern sogar auch das Motor-Öl verrosten; die hochprozentige Natur des Bio darin schlägt nämlich zurück, sie ist aggressiv und frisst Gummi und Dichtungen usw. – echt Ät-10nd!
Was juckt mich das, dachte ich…
Allerdings war es Anfang März diesen Jahres dann auch bei mir im südlichen Landkreis Münchens so weit. Immer mehr Tankstellen änderten ihr Sortiment und boten E10 als zusätzliche neue Sorte Super an. Nicht nur ich wurde nervös. Denn nirgendwo gab es wirklich verständliche Informationen. Selbst beim Generalanzeiger der deutschen Automobilisten fanden und finden sich nur Angaben zu aktuellen Modellen. Mein Audi 80, ein guter Gefährte für meine Familie und mich sowie verschiedene Vorbesitzer wurde jedoch nirgendwo aufgeführt. Immerhin ist er schon beinahe zwanzig Jahre alt. Und nun drohte ihm mit einem Special Blend aus Kraut und Rüben Delirium Tremens, oder gar der Exitus.
Also griff ich erneut zum Hörer und rief wieder bei Audi an. Dort ist man schon vorbereitet. Schon in der Warteschleife wird man direkt gefragt, ob man wegen E10 die Servicestelle anruft. Die freundliche Dame hat nach Rückfrage sofort meine Daten zur Hand. Ich bitte sie, mir die Antwort zuzuschicken.
AUDI    E10-Antwort für Audi 80Da war es wieder, das Wort: ALLERDINGS.
Und als ob Audi meine Tante aus Amerika kennen würde, in der Verwendung von Allerdings erreicht das Unternehmen aus Ingolstadt fast ihre ulkige, ja realsatirische Meisterschaft.
Ein paar Tage später zwang mich der Durst meines Wagens an die Zapfsäule. Dort sprach mich ein freundlicher Tankwart auf die Vorteile von E10 an: “Das können sie getrost tanken. Audi Modelle sind Alkohol-fest und vertragen alle das neue Super”. Lächelnd drücke ich dem hilfsbereiten Mann Audis Antwort-Brief in die Hand: "... das ist allerdings etwas anderes" meinte er.
und ich: ALLERDINGS!