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Was denken Sie, wenn Sie an Piraten denken? An verwegene Gestalten, kostümiert in Pluderhosen, roten Kopftüchern, Augenklappe und vor allem jede Menge Ringe. Wahlweise als fette Klunker an den Fingern oder als schweres Gehänge an den Ohren.
Das sind Klischees, die von Hollywood bedient werden. Heutige Piraten sehen anders aus. Sie sitzen im edlen Zwirn hinter einer Armada von Bildschirmen und geben Salven an Tastaturbefehlen ab, die irgendwo auf der Welt ganze Schiffs-Ladungen verschieben oder dazu führen, dass Industrie-Kapitäne zwar nicht als Letzte vom Schiff gehen, aber doch so lange bleiben bis der ärmste Teufel die allerletzten Kröten verliert.
Seltener trifft man auf den etwas tütteligen Freibeuter, in pastellfarbenem Kostüm, mit aufgetönter Frisur, der oder die auf einer Dauerwelle daherkommt. Richtig! wir sprechen von Angela Merkel als Star des Bundestags-TV. Als Star leuchtet Merkel uns vom Astra Himmel auf 23,5° Ost den Weg in den Reichstag und ist damit die bieder, bundesrepublikanische Antwort auf die Anchorwomen der öffentlich-rechtlichen Dickschiffe oder der yellow-lastigen privaten Vergnügungsdampfer.
Als Mitglied eines verschworenen Parlament-Teams versorgt sie uns nun mit den lebensnotwendigen Vitalien aus dem eigenen Hause. In ihrer neuen Funktion verzichtet Angela Merkel auf eine Augenklappe und Sender-Kapitän Norbert Lammert poltert nicht “Long John Silver” mit einem Holzbein. Dennoch sollten wir uns nicht täuschen lassen, beide operieren auf eigene Rechnung und ohne offizielle Erlaubnis. Auch andere Haudegen benötigen für ihren modus operandi eine solche Freigabe. Zwar befindet sich der Astra Satellit in 36.000 Kilometern Höhe auf seinem geostationären Umlauf außerhalb der rechtlichen fünf Meilenzone, doch wer eine Prise nicht nur schnupfen will, stellt sich selber einen Kaperbrief aus, und nimmt Frequenzen nicht im Namen der Krone, aber zum Wohle des zahlenden Volkes in Beschlag.
Nun liegt es einzig und allein in den Händen der Medien-Anstalt Berlin Brandenburg (mabb), wie es weitergeht. Das mabb entscheidet, ob uns das Bundestags-TV weiterhin von den Freibeutern des Reichstags aus dem Orbit ins Kreuzfeuer nehmen oder, ob mit einem nachträglich erstellten Kaperbrief die Enterung des Fernseh-Kanals in unseren Receivern legalisiert wird.
Auf jeden Fall muss Herr Dr. Hans Hege, Direktor des mabb, diesem Sender aus dem All sein besonderes Augenmerk widmen, damit uns nicht von jenseits einer rechtlichen Erreichbarkeit ein neuer “schwarzer Kanal” à la Karl-Eduard von Schnitzler droht.